Koh Ker
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Das Gebiet der kurzzeitigen Khmer-Hauptstadt Koh Ker (Khmer: ប្រាសាទកោះកេរ) liegt im Norden von Kambodscha, ca. 120 km nordöstlich von Siem Reap in einer Dschungelregion. In Koh Ker befindet sich eines der grössten Tempelareale des Khmerreiches. Auf einer Fläche von rund 36 km2 werden etwa hundert Ruinen vermutet, von denen jedoch nur ein Teil zugänglich ist. Faszinierend ist, dass keines der Monumente restauriert wurde; die Tempel wurden lediglich etwas aus der Umklammerung der Dschungelpflanzen befreit.
Koh Ker wurde während Jahrhunderten nur selten aufgesucht; bis 2004 konnte man nur unter Strapazen dorthin gelangen. Dank einer neu gebauten Strasse ist der Ort nun in einem Tagesausflug relativ bequem zu erreichen. Doch auch heute dürften täglich kaum mehr als einige Dutzend Touristen Koh Ker besuchen.
Für die Besichtigung sollten mindestens zwei bis drei Stunden eingeplant werden, eine für die Hauptmonumente Prasat Thom und Pram, ein bis zwei weitere für die Tempel am Rundkurs und an der Zufahrtsstrasse.
| Lage
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Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Hintergrund
Koh Ker war von 928 - 944 n. Chr. die Hauptstadt des Khmer-Reiches. Erwähnt wird Koh Ker erstmals im Jahr 919 n. Chr. in einer Inschrift als Pura (Sanskrit für Stadt). Koh Ker ist ein moderner Name; während der Khmerzeit wurde die Stadt Chok Gargyar oder Lingapura (Stadt der Lingams) genannt.
Wahrscheinlich regierte Jayavarman IV. als lokaler Herrscher über ein Gebiet, dessen Hauptstadt Koh Ker war, bevor er 928 zum König des Khmerreiches ausgerufen wurde. Das würde erklären, warum er Koh Ker als Metropole wählte, anstatt wie seine Vorgänger in Roluos (Hariharalaya) zu residieren. Jayavarman IV. war kein leiblicher Sohn von Isanavarman II. (922 - 925?) oder von Harshavarman I. (900 - 922); er kam dank der Heirat mit einer jüngern Schwester von Yasovarman I. (889 - 900) auf den Thron. Die in seiner Regierungszeit (928 - 941) in Koh Ker errichteten, zahlreichen Monumente, konnten nur durch repressive Steuereinkünfte realisiert werden. Der eigenständige Koh Ker-Stil entstand, der geprägt wird durch einzigartige Reliefs und grosse, eindrückliche Skulpturen. Der grösste Teil des figuralen Baudekors von Koh Ker befindet sich heute in Museen (z. B. in Phnom Penh) oder wurde geraubt.
Nach dem Hinschied von Jayavarman IV. wurde nicht sein designierter Nachfolger König, sondern ein anderer seiner Söhne, Harshavarman II.. Während dessen kurzer Regierungszeit (941 - 944) wurden in Koh Ker keine weiteren Tempel mehr errichtet. Seine Nachfolger residierten wieder in der fruchtbareren Umgebung des Tonle Sap.
[Bearbeiten] Anreise
Ein Ausflug von Siem Reap nach Koh Ker ist nur in der Trockenzeit zu empfehlen. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es keine. Ein Taxi (Kosten 80 - 100 U.S. Dollars) braucht für die Hin- und Rückfahrt jeweils rund zweieinhalb Stunden. Man fährt zuerst auf der Nationalstrasse Nr. 6 bis Dam Daek. Dort zweigt man Richtung Norden ab (am Ende des Marktes nach links abbiegen). Nach insgesamt etwa 60 km erreicht man die nicht zu übersehende Zahlstelle, wo Tickets sowohl für Beng Melea (5 $) als auch für Koh Ker (10 $) verkauft werden. Kurz nach der Zahlstelle folgt eine gebührenpflichtige Teilstrecke (5 $). Die Maut (die der Chauffeur bezahlt) wird jedoch nur für Autos erhoben und nicht für Tuk Tuks (ein Tuk Tuk-Fahrer, der nach Beng Melea fährt, bezahlt nichts). Nach der gebührenpflichtigen Strecke verzweigt sich die Strasse. Links geht es zum Tempel Beng Melea, der nur mehr wenige km entfernt ist, rechts nach Koh Ker (sinnvoll und machbar ist es, die Besichtigung von Beng Melea und Koh Ker zu verbinden). Rund ein Drittel der ganzen Strecke zwischen Siem Reap und Koh Kehr ist Naturstrasse. Darunter muss man sich eine breite, rotbraune und staubige Urwaldpiste vorstellen, an der an gewissen Stellen noch gebaut wird. Auf vielen Kilometern gibt es grosse Gesteinsbrocken auf dem Trassée, was dem Fahrer und dem Auto einiges abverlangt (aus diesem Grund versuchen gewisse Taxifahrer, den Preis in die Höhe zu schrauben (bis zu 130 $).
Ein Reisebüro, das Hotel oder das Guesthaus kann eine Fahrt nach Beng Melea und Koh Ker organisieren. Es werden u. a. auch organisierte Dreitagesausflüge nach Beng Melea, Koh Ker, Preah Khan (Provinz Preah Vihear) und Preah Vihear angeboten, die jedoch sehr teuer sind.
Die Anfahrt ist auch von Tbaeng Meanchey, der Hauptstadt der Provinz Preah Vihear aus möglich. Wer von hier aus anreist, muß (noch) kein Eintrittsgeld berappen.
[Bearbeiten] Die Tempelanlage
Koh Ker umfasst ein Gebiet von rund 36 km2, auf dem etwa hundert Ruinen aus der Khmerzeit vermutet werden. Nur ein Teil davon ist zur Zeit zugänglich. Der Rahal Baray ist das grösste Objekt auf dem Gelände der alten Khmer-Haupstadt. Er misst 1200m x 560m. Er ist nicht wie die Barays von Angkor präzise nach den vier Himmelrichtungen ausgerichtet, sondern zeigt eine Nord 15° West-Orientierung, der auch zahlreiche Monumente von Koh Ker folgen. Das eigentliche Stadtgebiet von Koh Ker, in welchem zur Zeit Jayavarmas IV. rund zehntausend Menschen lebten, erstreckte sich nordwestlich des Rahal Baray innerhalb einer quadratischen Umfassungsmauer mit einer Seitenlänge von 1,2 km. Die Stadtmauern, von denen geringe Überreste erhalten sind, hatten die gleiche Ausrichtung wie der Rahal Baray.
Die Zufahrtsstrasse zu Koh Ker endet am Parkplatz vor dem augenfälligsten Gebäudekomplex mit der grossen Stufenpyramide (Prang), dem ihr vorgelagerten Flachtempel (Prasat Thom) und dem vor der Umfassungsmauer stehenden eindrücklichen Gopuram. Auf der andern Seite des Parkplatzes befinden sich die sogenannten Paläste, zwei identische Ruinen mit quadratischem Grundriss, die dem Tempelkomplex zuzurechnen sind (dieser wird von der Zufahrtsstrasse und den Parkplätzen zerschnitten). Ungewöhnlich ist die Architektur dieser Gebäude. Jeweils vier Gallerien aus Sandstein, von denen zwei eine Eingangstür besitzen, sind so angeordnet, dass ein quadratischer Innenhof entsteht. Es wird vermutet, dass diese Räume dem König oder Ehrengästen als Andachts- oder Aufenthaltsräume dienten.
Zum gewaltigen Gopuram aus Sandstein, der sich vor der Umfassungsmauer des Prasat Thom erhebt, gehören vier lange Hallen. Je zwei davon liegen parallel, wodurch der Grundriss des Gopuram eine Kreuzform mit zwei verlängerten Achsen in Nordsüd-Richtung erhält. Direkt hinter dem Gopuram stehen die Überreste von zwei grossen Laterittürmen. Dahinter, innerhalb einer rechteckigen Umfassungsmauer aus Laterit, liegt das eigentliche Tempelgelände, das durch eine weitere Mauer in zwei Areale aufgeteilt wird. Im vorderen Teil liegt der von einem Wassergraben umgebene Flachtempel (Prasat Thom), im hinteren Teil erhebt sich auf einer Grünfläche der Stufenturm (Pram). Die gesamte Anlage besitzt dieselbe Orientierung wie der Rahal Baray.
Am Eingang des vordern Areals steht der Prasat Krahom (Roter Turm), ein Tempel aus roten Ziegelsteinen, neben der Stufenpyramide das höchste Monument der Anlage. Bis 1930 beherbergte er die grosse Statue eines tanzenden Shiva mit fünf Köpfen und acht Armen. Die Hände befinden sich im National-Museum in Phnom Penh; über den Verbleib des Rests ist nichts bekannt. Hinter dem Prasat Krahom liegt der idyllische, von Pflanzen gesäumte Wassergraben, über den eine Brücke mit Naga-Balustraden führt. An deren Enden wachte ursprünglich ein grosser Garuda. Eine der beiden Skulpturen steht nun in der Eingangshalle des Nationalmuseums in Phnom Penh. Der Tempel innerhalb des Wassergrabens, der eigentliche Prasat Thom, bestand aus Bibliotheken sowie einundzwanzig kleinen Türmen aus Ziegeln. Jeweil drei von ihnen, die einst Lingas beherbergten, stehen in den Ecken der Grundfäche, weitere neun erheben sich in einer Vierer- und einer Fünferreihe auf einer rechteckigen Plattform. Eine Inschrift besagt, dass der Haupt-Lingam im Jahre 921 geweiht wurde.
Der Prang, die siebenstufige Pyramide (fälschlicherweise oft Prasat Thom ganannt) aus Sandstein, gleicht weit mehr den Pyramiden der Mayas, als den mehrstufigen Tempelbergen der Khmerzeit. Einzig auf der Osten (und zugleich dem Flachtempel) zugewandten Seite gibt es eine äusserst steile Treppe, die sich in einem desolaten Zustand befindet. Die in jüngerer Zeit über der Treppe angebrachte Leiter ist derart beschädigt, dass ein Zutrittsverbot angebracht werden musste. Ende Februar 2010 konnte die Pyramide nicht bestiegen werden. Doch das einzigartige Monument beeindruckt auch von unten und ist zusammen mit dem vorgelagerten Flachtempel (Prasat Thom), unbedingt eine Reise wert. Die Basiskanten der quadratischen Stufenpyramide, die im Jahre 928 fertiggestellt wurde, messen 62 m, die Höhe beträgt 36 m. Eine Inschrift am Prasat Damrei (auf der andern Seite des Rahal Baray gelegen) besagt, dass das Monument einen 4,5 m hohen Lingam beherbergte und dass die Aufrichtung dieses Shiva-Symbols, das über 24 Tonnen wog, etwelche Schwierigkeiten bereitete. Hinter dem Pram erhebt sich ausserhalb der Umfassungsmauer ein künstlicher Hügel, das sogenannte "Grab des Weissen Elefanten". Möglicherweise handelt es sich um den Kern einer weiteren Stufenpyramide, die nie fertiggestellt wurde.
Vom Parkplatz aus führt eine Piste in einigem Abstand um den Rahal Baray, vorbei an rund fünfzehn Prasats und anderen Monumenten und mündet nach einigen Kilometern wieder in die Zufahrtsstrasse. Diese Schlaufe kann mit dem Taxi befahren werden. Attraktiver und angemessener wäre eine Fahrt mit dem Ochsenkarren, sofern ein solcher aufzutreiben ist (Kosten 12 $, Dauer anderthalb Stunden). Die Strasse des Rundkurses verzweigt sich gleich zu Beginn, unmittelbar nach dem Parkplatz. Linkerhand führt sie zum Dorf Koh Ker, rechts überquert sie einen Bach und erreicht nach wenigen hundert Metern die ersten Prasats, von denen die meisten auf der linken Strassenseite liegen. Mehrere dieser einfachen Heiligtümer aus dunklem Sandstein, die Shiva geweiht und einander sehr ähnlich sind, enthalten einen gewaltigen, rund 2 m hohen Lingam. Die Lingas befinden sich mehrheitlich in einem ausgezeichneten Zustand, während der Reliefschmuck der Yoni-Basen teilweise von Kunsträubern abgeschlagen wurde. Der nun folgende Prasat Andong Kuk zeigt die gleiche Architektur wie die Krankenhaus-Kapellen, die Jayavarman VII. im XII. Jh. im ganzen Khmerreich erbauen liess, was darauf hinweist, dass Koh Ker im XII. Jh. noch eine bewohnte Stadt war. Wenig später gelangt man zum Prasat Krachap, der auf der Ostseite des Rahal Baray liegt und 928 eingeweiht wurde. Er gilt als einer der schönsten Tempel von Koh Ker und wird von zwei Mauerringen umschlossen. Auf einer Plattform im Innern, die kaum mehr erkennbar ist, standen einst fünf Ziegeltürme in Quincunx-Stellung. In einiger Distanz zum Prasat Krachap und südlich des Rahal Baray gelegen, befindet sich auf der rechten Seite der Piste innerhalb einer Umfassungsmauer der Prasat Damrei, ein wunderschöner Schrein aus Ziegelsteinen. In jeder Ecke wachte einst ein Elefant aus Sandstein; es sind jedoch nur zwei dieser Skulpturen erhalten. Weitere sehenswerte Monumente folgen, u. a. das mit Reliefs geschmückte Reservoir "Trapeang Khna", bevor der Rundweg wieder in die Hauptstrasse mündet.
Auf der Rückfahrt in Richtung Beng Melea können weitere Monumente besichtigt werden. Am nächsten beim Doppelheiligtum Prasat Thom/Prang liegt der Prasat Chen, der von einer 2 m hohen Laterit-Mauer umschlossen wird. Die eindrückliche Skulptur mit zwei ringenden Affen, die sich im National-Museum in Phnom Penh befindet, befand sich ursprünglich in diesem Heiligtum. Die letzte Tempelanlage an der Strecke, der von einer Laterit-Mauer umgebene Prasat Bram, liegt ebenfalls rechterhand. Neben den drei Türmen aus Ziegelstein stehen zwei Bibliotheken. Im Ostteil des Tempelareals befindet sich beidseits der Ostwest-Achse je ein weiterer Turm. Einer von ihnen weist an der Fassade diamantförmige Löcher auf, was darauf hinweist, dass hier das Heilige Feuer aufbewahrt wurde, das bei den Khmer eine bedeutende Rolle spielte.
Beim Parkplatz gibt es einen grossen, jedoch stark verblassten Übersichtsplan, der kaum hilfreich ist. Es ist ratsam, sich bereits vor der Reise mit einer Karte (Internet) einzudecken. In Siem Reap ist zur Zeit kein Material zu Koh Ker erhältlich, abgesehen von der Broschüre, die 2009 von Heritage Watch herausgegeben wurde (keine ISBN-Nummer) und die in der Flughafen-Buchhandlung für 8 $ angeboten wird.
Ausserhalb des eigentlichen Stadtgebietes von Koh Ker und der näheren Umgebung des Rahal Baray liegen im Dschungel versteckt, zahlreiche weitere Monumente, die jedoch nicht auf eigene Faust erkundet werden sollten (Minengefahr!).
[Bearbeiten] Küche
Vor dem Prasat Thom gibt es eine Anzahl einfacher Unterstände mit Restaurants und Souvenir-Shops wie vor den Tempeln in Angkor. Im 10 km südlich gelegenen Ort Sra Yong kann man einige einfache Khmer-Restaurants finden.
[Bearbeiten] Unterkunft
Im Dorf Sra Yong, 10 km südlich von Koh Ker, gibt es einfache Übernachtungsgmöglichkeiten.
- Koh Ker Guest House - Das Haus besitzt ein paar sehr einfache Zimmer, eine Außentoilette und eine einfache Waschmöglichkeit. Mittlerweile sollten einige neue Räume fertiggestellt sein.
[Bearbeiten] Sicherheit
Die Gegend außerhalb der ausgewiesenen Tempelbezirke war bis vor kurzem noch vermint. Inzwischen wurden grosse Areale von den Minen geräumt, worauf an verschiedenen Orten Tafeln mit Plänen hinweisen. Trotzdem ist es nicht ratsam, die Wege zu verlassen. Von Heritage Watch wird dringend abgeraten, Ruinen aufzusuchen, die nicht an der Zufahrtsstrasse oder an der Rundstrasse beim Rahal Baray liegen. Ein weiteres Problem ist die Orientierung. Abgesehen von der Rundstrasse, die beim Parkplatz beginnt und an zahlreichen Ruinen vorbei wieder auf die Hauptroute führt, sind keine Wege ausgeschildert. Somit könnte man sich im Dschungel trotz der zahlreichen kleinen Pfade leicht verirren.

